Forschungsbereich Stahlbeton- und Massivbau | Institut für Tragkonstruktionen

Technische Universität Wien

Die Egg- Graben Brücke im Großarltal

Umsetzung eines innovativen Bemessungskonzepts zur Verbesserung der Dauerhaftigkeit von Betonbrücken

© Pez Hejduk: http://www.pezhejduk.at/

Für die Beseitigung des Nadelöhrs bei km 8,32 der L109 Großarler Landesstraße, beschloss das Referat Brückenbau des Landes Salzburg den Bau einer neuen Brücke über den Egg- Graben. Die neue Trassenführung verlangte eine 50m lange Brücke, die im Grundriss gekrümmt ist. 

Zu dieser Zeit wurden intensive Untersuchungen am Institut für Tragkonstruktionen- Betonbau der TU Wien zur Verbesserung der Dauerhaftigkeit von Betonbrücken durchgeführt. Auf Anfrage des Instituts bei den österreichischen Brückenbauabteilungen zur praktischen Anwendung der neuen Methode zeigte das Referat Brückenbau des Landes Salzburg Interesse, und schrieb die neue Methode für den Bau der Egg- Graben Brücke in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tragkonstruktionen- Betonbau der TU Wien aus. 

Mehrjährige Forschungsarbeiten am Institut für Tragkonstruktionen, Forschungsbereich Stahlbeton und Massivbau der TU Wien, wurden mit dem Ziel durchgeführt, die Dauerhaftigkeit von Betontragwerken wesentlich zu verbessern. Der eigentlich naheliegende, aber dennoch bisher nicht bekannte Ansatz Betonbauwerke ohne korrosionsgefährdeten Betonstahl herzustellen, hat sich im Verlauf des Forschungsvorhabens als zielführend erwiesen. 

 

© Pez Hejduk: http://www.pezhejduk.at/

Vorgespannte Betonbrücken ohne Betonstahlbewehrung sind imstande die Tragfähigkeit und die Gebrauchstauglichkeit zu gewährleisten. Die auftretenden Zugspannungen werden nur von den Spanngliedern im Verbund übernommen. Die Dauerhaftigkeit der Brücke ist, wenn die Korrosion der Bewehrung, die die Lebensdauer des Bauwerks bisher bestimmt hat, verhindert wird, nur von der Dauerhaftigkeit des Betons abhängig. Bei vorgespannten Brücken mit Spanngliedern im Verbund, die komplett in Kunststoffhüllrohren “verpackt“ sind, ist keine zusätzliche Bewehrung aus Betonstahl notwendig. Die Spannglieder sind sehr gut geschützt und somit nicht anfällig für Korrosion. Diese Idee stellt eine neue Perspektive für den Bau dauerhafter Brücken dar und ist anwendbar für kleine und mittlere Brücken. In aufwändigen experimentellen Untersuchungen und mit numerischen Simulationen wurde die Praxistauglichkeit der Technologie nachgewiesen. Gemeinsam mit einem an Innovationen interessierten Bauherrn und österreichischen Unternehmern konnte die Technologie in Österreich erstmals angewandt werden. 

 

Das verwendete Spannsystem ermöglichte es auch, die Längsspannglieder elektrisch isoliert auszuführen (EIT: Electrically Isolated Tendons). Durch die Verwendung eines Systems mit Kunststoffhüllrohren und einer mit Kunststoffhüllrohren kompatiblen Verankerung, besteht die Möglichkeit der zerstörungsfreien Überwachung des Korrosionsschutzes der Spannglieder mittels der elektrischen Widerstandsmessung. Damit gelingt es während der ganzen Lebensdauer eines Spanngliedes, Messungen über dessen Zustand durchzuführen. 

Nach einer Bauzeit von 18 Monaten erfolgte im November 2009 die Freigabe für den Verkehr. Mit dem Bau der Egg- Graben Brücke konnte eine optisch anspruchsvolle und vor allem technisch innovative Brücke errichtet werden.

 

www.betonbau.tuwien.ac.at